Rürup Rente und die Günstigerprüfung

Alles Wissenswerte rund um die Günstigerprüfung

Grundsätzlich wird eine Günstigerprüfung immer dann durchgeführt, wenn es verschiedene Möglichkeiten gibt, einen Aufwand steuerlich geltend zu machen. Dabei soll die Günstigerprüfung eine Schlechterstellung des Steuerpflichtigen vermeiden.

Mit Einführung des Alterseinkünftegesetz zum 01.01.2005, wurde die steuerliche Behandlung von Renteneinkünften und Vorsorgeaufwendungen neu geregelt. So müssen Renteneinkünfte ab dem Jahr 2005 mit 50% versteuert werden, bis zum Jahr 2040 wird dieser Wert schrittweise auf 100% angehoben (§22 Abs 1aa EStG).

Bis zu 20.000 Euro pro Jahr!

Im Gegenzug können Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung (Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, eines Versorgungswerkes oder einer Rürup Rente) bis zu 20.000 Euro jährlich steuerlich abgezogen werden. (Bei steuerlich gemeinsam veranlagten Ehegatten erhöht sich der Betrag auf 40.000 Euro.) Im Jahr 2005 konnten 60% dieser Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Durch die schrittweise Anpassung wird dieser Wert im Jahr 2025 bei 100% liegen.

Somit unterscheidet man durch die Einführung des Alterseinkünftegesetz zukünftig zwischen folgenden Vorsorgeaufwendungen:

Bei den sonstigen Vorsorgeaufwendungen können seit 2005 je Kalenderjahr 2.400 Euro abgezogen werden. Bei Steuerpflichtigen die einen Anspruch zur Übernahme der Krankheitskosten haben, liegt der Höchstbetrag jedoch nur bei 1.500 Euro pro Jahr (§10 Abs.1 Nr.3 in Verbindung mit §10 Abs.4 EStG).

Durch diese Änderung wird nun bei den sonstigen Vorsorgeaufwendungen in den Jahren 2005 bis 2019 eine Günstigerprüfung durchgeführt, um eine steuerliche Schlechterstellung zu vermeiden. Ist in diesem Zeitraum der Abzug der Vorsorgeaufwendungen nach der für das Kalenderjahr 2004 geltenden Fassung günstiger als die neue Regelung, so gilt die alte Regelung.

Beispiel zum besseren Verständnis:

Ein Selbständiger wendet im Jahr 2008 folgende Beiträge auf:

Beschreibung Betrag
Beitrag zu einer privaten Rentenversicherung (Abschluss vor 2005) 11.400 €
Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung 4.800 €
Beitrag zur Haftpflichtversicherung 300 €
Begünstigte Vorsorgeaufwendungen 16.500 €
- Vorwegabzug nach §10 Abs. 4a EStG. 3.068 €
Verbleibende Vorsorgeaufwendungen 13.432 €
- Grundhöchstbetrag 1.334 €
Verbleibende Vorsorgeaufwendungen 12.098 €
- davon 50% max. jedoch 50% von 1.334 € (= Grundhöchstbetrag) 667 €
Abziehbare Vorsorgeaufwendungen (3.068 € + 1.334 € + 667 €) 5.069 €

Nach neuem Recht können Vorsorgeaufwendungen nur bis zu einem Betrag von 2.400 Euro steuerlich abgezogen werden. Nach altem Recht (siehe obige Tabelle) wären es jedoch 5.069 Euro. In diesem Beispiel würde die Günstigerprüfung ergeben, dass der Abzug nach altem Recht wesentlich „günstiger“ ausfällt und somit die Altregelung bei der Steuererklärung zum Ansatz kommt.

Seit 2006 sind die Beiträge zur Rürup Rente immer steuerlich abzugsfähig

Bis zum Jahr 2006 ergab sich durch die oben aufgeführte Günstigerprüfung in einigen Fällen die Situation, dass Beiträge für die neu geschaffene Rürup Rente keine Anwendung mehr fanden und somit steuerlich verpufften.

Deshalb war eine Anpassung der bestehenden Günstigerprüfung dringend notwendig, um einen weiteren Anreiz zum Abschluss der Rürup Rente zu schaffen. Durch das Jahressteuergesetz 2007 des Bundesfinanzministeriums wurde diese Änderung rückwirkend zum 01.01.2006 beschlossen. Demnach sind die Beiträge zu einer Rürup Rente immer mit dem aktuellen Prozentsatz gemäß §10 Abs. 3 Satz 4 und Satz 6 EStG als Altersvorsorgeaufwendungen der Basisversorgung zu berücksichtigen.

Vorteil für alle Selbstständige und gutverdienende Arbeitnehmer!

Besonders wichtig war diese Änderung für alle Selbständigen, die keine Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung oder an ein Versorgungswerk leisten. Wichtig deshalb, da für diesen Personenkreis eine zusätzliche Altersvorsorge durch die Rürup-Rente eine sinnvolle Alternative zu sonstigen Basisversorgung darstellt. Denn in den meisten Fällen wurde der Höchstbeitrag (5.069 € / siehe obige Tabelle) nach altem Recht schon durch Beitragszahlungen an die Krankenversicherung, Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung oder eine private Rentenversicherung nach „altem“ Recht ausgeschöpft. Beiträge zur Rürup Rente wurde durch die Günstigerprüfung dann steuerlich nicht mehr berücksichtigt.

Deshalb wurde im Rahmen des Jahressteuergesetz 2007 die Höchstbetragsberechnung nach §10 Abs 4a EStG modifiziert und um einen Erhöhungsbetrag für die Beiträge einer Rürup Rente erweitert.

Um eine steuerliche Schlechterstellung zu vermeiden und um die Beiträge für eine Rürup Rente gemäß der neuen Regelung zu berücksichtigen, werden bei der Günstigerprüfung nun zwei Vergleichsprüfungen durchgeführt:

Beispiel zum besseren Verständnis:

Ein Selbständiger wendet im Jahr 2008 folgende Beiträge auf:

Beschreibung Betrag
Beitrag zu einer privaten Rentenversicherung (Abschluss vor 2005) 11.400 €
Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung 4.800 €
Beitrag zur Haftpflichtversicherung 300 €
Beitrag zur Rürup Rente 3.600 €
Begünstigte Vorsorgeaufwendungen = 20.100 €
- Vorwegabzug nach §10 Abs. 4a EStG. 3.068 €
Verbleibende Vorsorgeaufwendungen = 17.032 €
- Grundhöchstbetrag 1.334 €
Verbleibende Vorsorgeaufwendungen = 15.698 €
- davon 50% max. jedoch 50% von 1.334 € (= Grundhöchstbetrag) 667 €
Abziehbare Vorsorgeaufwendungen (3.068 € + 1.334 € + 667 €) 5.069 €
+ Erhöhungsbetrag gem. Jahressteuergesetz 2007 (66% von 3.600 €) 2.376 €
Abziehbare Vorsorgeaufwendungen 7.445 €

Fazit:

Nach neuem Recht könnten nur 2.400 Euro für die sonstigen Vorsorgeaufwendungen und durch den Erhöhungsbetrag 2.376 Euro für die Rürup-Rente steuerlich in Abzug gebracht werden. Dies wären in Summe gerade mal 4.776 Euro. Durch den neu eingeführten Erhöhungsbeitrag in Verbindung mit der Höchstbetragsberechnung nach altem Recht können aber sogar 7.445 Euro steuerlich abgezogen werden.

Durch diese neue Regelung wurde die steuerliche Attraktivität der Rürup Rente weiter gestärkt.

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